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Griechenlands Solidarität…

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“Im Jahr 1953 kroch eine deutsche Delegation auf Knien nach London, um in einer internationalen Konferenz um Schuldenerlass zu betteln. Allzu sehr drückte Deutschland die Schuldenlast, die aufgrund der Reparationszahlungen nach zwei Weltkriegen zu leisten war. Auf Initiative Griechenlands beschlossen die 22 Gläubigerstaaten Deutschlands, deren Industrien, deren Städte, deren Infrastruktur durch den Wahn des deutschen Nationalismus zerstört, deren Populationen zum Teil systematisch vernichtet wurden (wie zum Beispiel die Hälfte der Einwohner von Thessaloniki in Griechenland) , beschlossen also diese Staaten auf Antrag Griechenlands, den Deutschen einen Schuldennachlass zu gewähren. Für die junge Bundesrepublik Deutschland war dieser Schuldenschnitt eine Voraussetzung für das dann einsetzende “Wirtschaftswunder”. Vor dem Londoner Schuldenabkommen hatte Deutschland eine Schuldenquote von 21 Prozent des BIP. Nachdem das Schuldenabkommen 1958 umgesetzt war, konnte Deutschland seine Schuldenquote auf nur noch 6 Prozent reduzieren.

Die gegenwärtig siebenmal so hohe Schuldenquote Griechenlands macht das damals wegen seiner so unglaublich drückenden Schulden bettelnde Deutschland heute so gnadenlos. Gleichzeitig hat sich die deutsche Schuldenquote selbst mittlerweile von sechs auf etwa achtzig Prozent erhöht.

Die nach dem Abkommen von London radikal gekürzte Restschuld verpflichtete sich Deutschland, in sanften Raten zu zahlen. Ausgerechnet gegenüber Griechenland stellte Deutschland die Zahlungen 1990 ein. … Tatsache ist jedenfalls, dass Deutschland heute immer noch 3,5 Milliarden Euro Restschuld gegenüber Griechenland hat … Zinsen noch nicht eingerechnet. In einer Depesche im Jahr 1990 hat Deutschland “die baldige Zahlung der Restschuld” angekündigt  – und bis heute nicht bezahlt.”

 

aus:  Robert Menasse, Der europäische Landbote, S. 103/104, Paul Zsolnay Verlag, 2012

Autorin: Ramona Hering

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